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15. Juli 2019
Gastkommentar im Hanauer Anzeiger vom 15.07.2019

Klimaschutz weltweit

Es ist gut, dass Schülerinnen und Schüler sich lautstark für mehr Klimaschutz in Deutschland einsetzen. Es ist richtig, dass wir als wichtiges Industrieland mit gutem Beispiel vorangehen und noch schneller als bisher auf erneuerbare Energien umsteigen sollten. Aber die Frage, ob wir unseren Planeten vor der Klimakatastrophe retten können, entscheidet sich in Afrika, Asien und Lateinamerika. Denn in den Entwicklungs- und Schwellenländern werden in den nächsten Jahrzehnten die Bevölkerung und die Wirtschaft stark wachsen. Deshalb müssen wir auch mit Mitteln der Entwicklungszusammenarbeit verstärkt dafür sorgen, dass dort statt Kohle und Dieselgeneratoren erneuerbare Energien zur Stromerzeugung genutzt werden. Zugang zu dezentraler erneuerbarer Energie trägt auch zur Armutsbekämpfung bei. Für den Schutz des Klimas und der Biodiversität sind auch die tropischen Regenwälder von enormer Bedeutung. Die Brandrodung der Regenwälder ist jährlich für etwa 10 - 20 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. Während in Asien für Palmölplantagen gerodet wird, ist in Brasilien vor allem der Anbau von Soja als Futtermittel verheerend. Mit brasilianischem Soja werden in Europa und Deutschland die Tiere gemästet und das Fleisch dann wieder in alle Welt exportiert. In Brasilien wird dadurch der Amazonas-Regenwald vernichtet und bei uns durch zu viel Gülle das Trinkwasser vergiftet. Deshalb darf das von Kanzlerin Merkel vorschnell gefeierte Freihandelsabkommen mit Brasilien in der jetzigen Fassung nicht beschlossen werden. Es müssen verbindliche Regeln mit konkreten Sanktionsmöglichkeiten zum Schutz des Klimas und des Regenwaldes sowie von Menschen- und Arbeitnehmerrechten aufgenommen werden. Nur fairer statt freier Handel hilft dem Klima und den Menschen.

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