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09. März 2020
Gastkommentar im Hanauer Anzeiger

Immer und überall gegen Rassismus

Die Trauerfeier letzte Woche im Congress Park Hanau kann und wird niemand vergessen. Mich haben die Worte der Freunde und Angehörigen zutiefst berührt und gleichzeitig auch sehr beeindruckt. Kein Wort der Rache, kein Wort des Hasses, sondern eindrückliche und bewegende Schilderungen aus dem Leben der Opfer und der starke Appell, dass so was nie wieder passieren darf. Wir sind es den Opfern, den Angehörigen und allen Mitbürger(innen) mit Migrationshintergrund schuldig, dass niemand Angst haben muss in unserer Stadt zu leben. Ja, die Opfer haben jahrzehntelang hier gelebt, waren Hanauerinnen und Hanauer und keine Fremden. Aber Bundespräsident Steinmeier hat Recht, wenn er sagt, dass der Anschlag zwar uns allen gegolten hat, aber er als Bürger mit weißer Haut und weißen Haaren im Alltag keine Diskriminierung erfährt. Ein Herr Steinmeier oder Herr Raabe wird nicht automatisch von manchen Vermietern oder Arbeitgebern aufgrund des Nachnamens aussortiert, wenn sie eine Wohnung oder eine Arbeitsstelle suchen. Und niemand blickt geringschätzig auf uns herab oder macht fiese Sprüche über unsere vermeintliche Herkunft oder Religion. Es ist leider wahr, dass Menschen mit anderer Hautfarbe, egal ob sie als Flüchtlinge erst seit Kurzem bei uns sind oder hier geboren oder schon seit Jahrzehnten mit uns leben, im zunehmenden Maße Diskriminierungen ausgesetzt sind. Dieser Rassismus fand vor wenigen Jahren vorwiegend versteckt statt. Heute findet rechter Hass und Hetze offen im Internet, im Verein, am Arbeitsplatz, im Bekannten- und Familienkreis, in der Kneipe und auf der Straße statt. Auch in unseren Parlamenten bis hin zum Deutschen Bundestag sitzen Rechtsextreme und schüren Hass und Ausgrenzung. Wir müssen gegen diese geistigen Brandstifter entschlossen vorgehen. Jede und jeder, immer und überall!

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