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25. Mai 2020
Gastkommentar im Hanauer Anzeiger

Aluhut

Ich hatte vor wenigen Wochen an dieser Stelle geschrieben, dass in einer Krise das Beste und Schlechteste im Menschen zum Vorschein kommt. Nun tritt wohl auch „das Dümmste“ zutage: Keine Verschwörungstheorie ist zu blöd, um nicht tausende Follower in den sozialen Medien zu haben. Bill Gates, der als weltweit größter Spender mit seiner Stiftung unzähligen Kindern in Afrika das Leben gerettet hat, wird als Teufel auf sogenannten „Hygienedemos“ verunglimpft. Ich hatte als Entwicklungspolitiker bereits mehrmals die Gelegenheit, mich mit Bill Gates persönlich und intensiv über die Arbeit seiner Stiftung auszutauschen und schätze sein Engagement sehr. Es ist einfach nur abstoßend, wenn „Starkoch“ Attila Hildmann schwadroniert, dass „Satanist“ Gates die Weltbevölkerung auf 500 Millionen reduzieren wolle, um die Verbliebenen dann mithilfe vorher implantierter Chips zu steuern. Der Sänger Xavier Naidoo faselt von unterirdischen Lagern, in denen Kinder von einer Elite gefangen gehalten werden, um aus ihrem Blut ein Lebenselixier zu machen. Nun könnte man Hildmann und Naidoo als vereinzelte „geistig Verwirrte“ abtun. Das Problem ist, dass tausende Menschen in Deutschland diesen Unsinn glauben. Leider verwischen sich auf vielen Demos die Grenzen zwischen berechtigter Kritik und gefährlicher Hetze. Persönlich gehöre ich auch zu denen, die sich seit Ostern eher für schnellere weitere Lockerungen aussprechen. Meiner Ansicht nach reicht es, eng gedrängte Menschenansammlungen in geschlossenen Räumen (auch in Unterkünften) zu untersagen, wo immer möglich Abstand zu halten und in geschlossenen öffentlichen Räumen eine Maske zu tragen. Trotzdem respektiere ich alle, die lieber etwas vorsichtiger vorgehen wollen. Also: Bitte hart, aber immer fair - und ohne Aluhut - über den richtigen Weg streiten!

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