Dabei war es in Krümmel nicht der erste Vorfall, der dazu führte, dass der Reaktor im Atomkraftwerk wieder still steht und das Werk vom Netz genommen wurde. Ähnliche Vorkommnisse ereigneten sich bereits im Juni 2007. Damals wie jetzt wurde der Reaktor sofort abgeschaltet und ging erst vor zwei Wochen wieder ans Netz. Nun hat es sich gezeigt, alle Reparaturen nicht die Sicherheit bringen wie vermutet. Dabei geht es nicht nur darum, ob Atomenergie sicher oder unsicher ist. Die Entwicklungen im Bereich der Erneuerbaren Energien machen deutlich: Atomenergie ist ersetzbar und damit ein risikobehaftetes fossiles Auslaufmodell, von dem wir uns schnellstmöglich verabschieden sollten. Genau deshalb ist es wichtig am Atomausstieg festzuhalten. In der nächsten Legislaturperiode ist geplant die sieben ältesten Meiler vom Netz zu nehmen. Krümmel könnte hingegen noch bis 2019 laufen. Das sollte verhindert werden. Ob aber das schrittweise Abschalten der Atommeiler auch eingehalten wird, hängt davon ab, wer nach dem 27. September regiert. Während wir als SPD den Atomausstieg für unumkehrbar halten und zu den fest vereinbarten Restlaufzeiten stehen, betont CDU-Kanzlerin Angela Merkel an der Atomenergie festhalten zu wollen. Das kann nicht im Sinne einer zukunftsfähigen Energiepolitik sein.
Schon heute beträgt der Anteil der Erneuerbaren Energien 13,6 Prozent am Strommarkt. Die deutschen Hersteller haben dabei eine Führungsposition im weltweiten Markt eingenommen, die es zu stärken gilt. Jede vierte weltweit produzierte Solarzelle kommt mittlerweile aus Sachsen-Anhalt. Hier liegen unglaubliche Chancen – sowohl für die Umwelt als auch für unsere Wirtschaft. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien führt zu einer CO2-Reduzierung von 75Millionen Tonnen im Jahr 2007 auf über 200Millionen Tonnen im Jahre 2020. Bis dahin ist es nicht unwahrscheinlich mehr als eine Millionen Arbeitsplätze in der Umweltindustrie geschaffen zu haben. Deshalb brauchen wir den von Frank-Walter Steinmeier geforderten „grünen Aufbruch“. Ein Festhalten an der Atomenergie würde diese Dynamik verhindern. Dabei behindern eindeutig die Profit-Interessen der Atomlobby diesen Umbruch. Je länger ein Atomkraftwerk läuft, desto höher ist der Gewinn. Schätzungen zufolge spült eine längere Laufzeit ca. eine Millionen Euro zusätzlichen Gewinn pro Tag in die Kassen der Betreiber.
Dabei stehen die Erneuerbaren Energien nicht am Anfang, sondern vor einem Quantensprung im Energiesektor. Im Norden Afrikas plant ein Konsortium aus deutschen Unternehmen die Umsetzung einer gigantischen Solarkraftwerk-Anlage in der Sahara. Mit der Realisierung ließe sich fast ganz Europa mit Sonnen-Strom versorgen. Visionen gibt es also. Trotzdem sollten im Vordergrund jedoch die regionalen Lösungen stehen. Dazu haben wir mit dem Erneuerbaren Energien Gesetz (EEG) ein Zukunftsprojekt auf den Weg gebracht, das weltweit immer mehr Nachahmer findet. Auch bei uns im Main-Kinzig-Kreis liegen die regenerativen Energienquellen hoch im Kurs. Der diese Woche ins Gespräch gebrachte Solarpark auf der ehemaligen Panzerabstellfläche in Gelnhausen zeugt davon, dass auch bei uns in der Region viele nachhaltige Potentiale schlummern die es voranzubringen gilt.








