Denn weder die Klima- noch die Weltwirtschaftsprobleme lassen sich ohne Länder wie China, Indien oder Brasilien lösen. Die Globalisierung hat die Welt zusammenrücken lassen. Globale Probleme können nur gemeinsam gelöst werden.
Während wir in Deutschland und Europa die Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise an unserem Wohlstand zu spüren bekommen, geht es für Millionen Menschen in Entwicklungsländern um das nackte Überleben. Wer wie über eine Milliarde Menschen nur weniger als einen Euro pro Tag zur Verfügung hat, muss alles für Lebensmittel ausgeben, um nicht zu verhungern. Wenn aus einem Euro aufgrund der Krise 50 Cent werden, bedeutet das oftmals den Hungertod, da nichts woanders eingespart werden kann. Bereits jetzt ist die Zahl der Hungernden weltweit auf über eine Milliarde angestiegen. Deswegen war es richtig, dass die G8-Staaten sich auf dem Gipfel dazu bekannt haben, ihre finanziellen Verpflichtungen gegenüber den Entwicklungsländern einhalten zu wollen. Schließlich haben alle G8-Staaten ebenso wie die gesamte Europäische Union bereits vor Jahren versprochen, bis zum Jahr 2010 0,51 Prozent und bis zum Jahr 2015 0,7 Prozent des jeweiligen Bruttonationaleinkommens für Entwicklungszusammenarbeit zur Verfügung zu stellen. Die Verwirklichung dieses Versprechens ist heute wichtiger denn je. Es ist nach wie vor ein humanitärer Skandal, dass jeden Tag 25.000 Menschen an den Folgen von Hunger und Armut sterben.
Aber es ist nicht nur eine humanitäre Frage. Für Deutschland als Exportland liegt es auch im ökonomischen Eigeninteresse, dass die Menschen in Entwicklungsländern wenigstens einen bescheidenen Wohlstand erreichen. Denn nur mit steigendem Wohlstand können dort auch deutsche Produkte gekauft werden. Die Weltbevölkerung wird bis zum Jahr 2050 von jetzt knapp 7 Milliarden auf 9 Milliarden steigen und zwar fast ausschließlich in Schwellen- und Entwicklungsländern während bei uns die Bevölkerung und somit die Konsumenten weniger werden! Natürlich wird und soll in den heutigen Entwicklungsländern auch eine eigene nachhaltige Industrie entstehen. Aber diese mögliche Konkurrenz wird uns insgesamt nicht schaden - im Gegenteil!
Während wir im Augenblick ein großes Stück von einem kleinen Kuchen Weltmarkt haben (weil über die Hälfte der Menschheit aufgrund bitterer Armut am Weltmarkt gar nicht teilhaben kann), werden wir künftig ein kleineres Stück von einem wesentlich größeren Kuchen haben. Dieses Stück ist dann nicht nur größer, sondern schmeckt auch noch besser, weil dann endlich alle etwas vom Kuchen haben – und satt werden. Bis diese Vision Wirklichkeit wird, müssen noch große Anstrengungen unternommen werden. Viele Industriestaaten liegen weit hinter ihren Versprechungen zurück und Italien hat Ende letzten Jahres seine Mittel für die Entwicklungsländer sogar gekürzt. Ob Deutschland seine Versprechen an den Ärmsten der Armen einhält, wird auch davon abhängen, wie ernst die Wählerinnen und Wähler dieses Thema nehmen.








