Gute Ideen, wie die steigenden Ausgaben in den Griff zu bekommen sind und die Qualität der medizinischen Versorgung trotzdem auf hohem Niveau gehalten werden kann, sind also immer willkommen. Wohlgemerkt gute Ideen! Leider gibt es davon nicht allzu viele. Und im Regierungslager gibt es offenbar gar keine – mal abgesehen von dem „brillanten Einfall“, die Beitragssätze zu erhöhen. Darauf muss man erst mal kommen…
Nehmen wir zum Beispiel den jüngsten Vorschlag aus den Reihen der FDP, der Partei also, der bekanntlich auch der Gesundheitsminister angehört. Um den Ärztemangel auf dem Lande zu bekämpfen, sollen, so die Forderung eines FDP-„Gesundheitsexperten“, Patienten beim Arztbesuch dort verpflichtet werden, per Vorkasse die Behandlung zunächst selbst zu bezahlen. Jeder, der auf dem Land zum Arzt geht, soll also erst mal zahlen und muss dann versuchen, das Geld von seiner Krankenkasse zurück zu bekommen. Der Arzt käme so schneller an sein Geld, könne auch mehr verdienen, weil bestehende Obergrenzen durch die Kassen entfielen, so dass es alles in allem für die Mediziner attraktiver würde, in solche Regionen zu gehen, die derzeit unterversorgt sind. Für die Versicherten sei das zumutbar heißt es aus der FDP. Eine gute Idee? Mit Sicherheit nicht. Für die Bürgerinnen und Bürger in einem großen Flächenkreis wie unserem Main-Kinzig-Kreis wäre eine solche Lösung jedenfalls fatal.
Schon die von Rösler zum 1. Januar eingeführte freiwillige Vorkasse ist höchst zweifelhaft. Mit ihr droht eine Drei-Klassen-Medizin: Erst kommen die Privatpatienten, dann die gesetzlich Versicherten, die in der Lage sind, Vorkasse zu leisten, und schließlich solche, die dies nicht können. Viele Patienten werden sich drängen lassen Vorkasse zu leisten, aus Furcht, sonst schlechter behandelt zu werden. Viele von ihnen werden dabei auf Zusatzkosten sitzen bleiben, weil sie nicht wissen, was ihre Kasse erstattet und was nicht. Im Sinne der Patienten ist schon diese Regelung nicht.
Wer nun aber die Vorkasse für bestimmte Gruppen sogar erzwingen will, der treibt die Klassenmedizin auf die Spitze und nimmt billigend in Kauf, dass Menschen nicht mehr zum Arzt gehen können, weil sie schlicht und einfach das Geld, das sie vorschießen sollen, nicht haben. Mit einem solidarischen Gesundheitssystem hat das nichts mehr zu tun. Wer keine besseren Ideen hat, um dem Ärztemangel auf dem Land zu begegnen, der sollte seine weltfremden Vorschläge besser für sich behalten. Vernünftige Gesundheitspolitik hat dafür zu sorgen, dass die Versicherten überall in Deutschland eine gute medizinische Hausarztversorgung in Anspruch nehmen können – ganz gleich, ob sie nun in der Stadt oder auf dem Lande leben.







