Dabei ist die Bedeutung des Vorhabens für die gesamte Region, die mit dem Zuschlag für Frankfurt als Sitz der Europäischen Zentralbank noch zugenommen hat, unbestritten. Der Öffentliche Personennahverkehr ins Frankfurter Umland ist schon jetzt völlig überlastet. Und da sich auf absehbare Zeit wohl auch bei der Kinzigtalbahn nichts tun wird, ist die nordmainische S-Bahn die realistischste Entlastungsmöglichkeit.
Die Bürgerinnen und Bürger jedenfalls erwarten zu Recht Lösungen. Sie haben es satt, dass sich Bund, Land und Bahn immer nur gegenseitig den schwarzen Peter zuschieben, aber keiner Verantwortung übernimmt. Im Kreistag werden wir an diesem Freitag beraten, wie wir als Main-Kinzig-Kreis weiter vorgehen können. Das Problem liegt klar auf der Hand: Die S-Bahn-Strecke wird schlicht teurer, als ursprünglich gedacht – ein Phänomen, das bei Vorhaben dieses Größenordnung bekanntermaßen so häufig vorkommt, dass es auch in diesem Fall eigentlich niemanden überraschen kann. Zusätzliche Lärmschutzauflagen und unerwartet schwierige Bodenverhältnisse im Frankfurter Osten haben zu einem Kostenanstieg von ursprünglich rund 370 Millionen Euro auf mittlerweile gut 430 Millionen Euro geführt. Das ist sicher kein Grund zum Jubeln, darf aber unter keinen Umständen als Vorwand dafür genutzt werden, das Projekt auf die lange Bank zu schieben.
Wer also soll die Finanzierungslücke schließen? Rund 60 Millionen Euro Mehrkosten sind schließlich für keinen der Beteiligten ein Pappenstiel. Fakt ist, dass die betroffenen Städte Frankfurt, Hanau und Maintal sowie der Main-Kinzig-Kreis das kleinste Glied in der Finanzierungskette sind. Sie tragen nach dem derzeitigen Stand zusammen 12,5 Prozent der Kosten, weitere 27,5 Prozent entfallen auf das Land. Den größten Anteil trägt mit 60 Prozent der Bund. Er ist es auch, der nun bei der Finanzierungslücke zuallererst in der Verantwortung steht, denn das Vorhaben ist nicht nur für die Region wichtig, es hat auch Auswirkungen auf das überregionale Schienennetz. Durch den Bau könnten der Nah- und Fernverkehr, die sich bislang auf den gleichen Gleisen drängen, entzerrt werden. Das ist ein Vorteil, der in der bisherigen Kosten-Nutzen-Analyse nicht berücksichtigt wird. So gesehen ist die Haltung des Bundesverkehrsministeriums, das ein unzureichendes Kosten-Nutzen-Verhältnis bemängelt und deswegen zusätzliche Mittel verweigert, nicht akzeptabel. In Berlin muss ein Umdenken stattfinden und zwar schnell, denn der Baubeginn darf nicht auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben werden. Verkehrsminister Ramsauer muss die Lage jetzt zügig neu bewerten und über seinen Schatten springen ehe die Planfeststellung hinfällig wird. Dass es ihm schwer fallen wird, das Geld aufzutreiben, ist ein hausgemachtes Problem dieser Bundesregierung. Für notwendige Infrastruktur und Soziales fehlen oft die Mittel. Stattdessen denkt man lieber laut über Steuergeschenke vor den nächsten Wahlen nach. Die Folgen dieser kurzsichtigen Politik werden wir noch in vielen Jahren spüren. Es ist Sand im Getriebe – nicht nur bei der nordmainischen S-Bahn.







