Hier anklicken und Sie werden weitergeleitet zur Internetseite des Deutschen Bundestages mit dem
Redemitschnitt.
Vizepräsident Dr. Norbert Lammert:
Zum Schluss dieses Tagesordnungspunktes erhält der Kollege Dr. Sascha Raabe für die SPD-Fraktion das Wort.
Dr. Sascha Raabe (SPD):
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! „Es ist immer einfacher, die Umwelt des anderen zu schützen.“ Dieses Zitat stammt von der brasilianischen Umweltministerin Marina Silva, die übrigens selbst als Indigena aus dem Amazonasgebiet stammt. Wenn man berücksichtigt, dass wir in Europa unsere Urwälder längst abgeholzt haben, ist es verständlich, dass uns aus den Entwicklungsländern zum Teil Skepsis entgegengebracht wird, wenn wir den Schutz der dortigen Regenwälder anmahnen. Allerdings wissen wir spätestens seit der UNCEDKonferenz in Rio de Janeiro im Jahr 1992, dass Umwelt und Entwicklung zusammengehören und sich nicht ausschließen. Das weiß natürlich auch Marina Silva, die sich übrigens sehr für den Erhalt der Regenwälder im Amazonasgebiet einsetzt. Es geht also darum, den Urwald zu schützen und den Menschen vor Ort aus ihrer Armut zu helfen.
(Vorsitz: Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner)
Das erreichen wir aber nicht, indem wir alle Urwälder zu Naturschutzparks deklarieren, so sinnvoll und gut gemeint dies im Einzelfall auch sein mag. Nein, die Urwälder bergen auch ein Wirtschaftspotenzial, welches für die Bevölkerung vor Ort einen Anreiz bieten kann, den Wald aus genau diesem Grund nicht zu zerstören, sondern ihn nachhaltig zu nutzen.
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
So berechnet das brasilianische Umweltinstitut IMAZON, dass durch nachhaltige Waldbewirtschaftung rund viermal höhere Einkünfte als durch die zum Teil praktizierte Abrodung und Nutzung durch Rinderherden erzielt werden können und dass dadurch die Zahl der Arbeitsplätze in der Region verdoppelt werden könnte. Es gibt bereits erfolgreiche Unternehmen wie Precious Woods, die in der nachhaltigen Forstwirtschaft tätig sind und dadurch den illegalen Holzeinschlag in ihrem Waldgebiet verhindern. Dies können sie wirtschaftlich durchaus gewinnbringend tun.
In der deutschen Entwicklungszusammenarbeit genießt die Förderung von nachhaltiger Waldbewirtschaftung einen hohen Stellenwert. Wir geben rund 130 Millionen Euro pro Jahr für forstliche Projekte aus. Das kann sich sehen lassen. Ziel ist es, die bisherige illegale Holzgewinnung ebenso wie die legale traditionelle Forstwirtschaft durch eine nachhaltige Waldbewirtschaftung abzulösen.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD sowie des Abg. Thilo Hoppe [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Auch die Teile des bereits unter Naturschutz stehenden Regenwaldes könnten effektiv geschützt werden, wenn ein Gürtel nachhaltig genutzter Waldfläche um sie herum gezogen werden könnte.
Meine Damen und Herren von der Opposition,
Ihr Antrag zeigt eine verkürzte Sicht der Dinge. Es ist kein gemeinsamer Antrag mit uns zustande gekommen. Das hat auch seinen Grund. Sie sprechen nämlich ausschließlich von der Einfuhr illegalen Holzes und davon, wie dies zu vermeiden sei. Sie gehen das Problem aber zu spät an; denn in Ihren Forderungen beziehen Sie sich nur auf die Einfuhr von illegalem Holz und verlagern das Problem damit auf andere Absatzmärkte. Der Titel Ihres Antrages heißt zwar „Urwaldschutz durch nachhaltige Holz- und Forstwirtschaft stärken“, im Text und in Ihren Forderungen gehen Sie aber mit keinem Wort darauf ein.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD – Cajus Julius Caesar [CDU/CSU]: Lesen Sie den ganzen Antrag!)
Herr Caesar, wir stimmen heute nicht über Ihre Rede ab, in der Sie durchaus auch auf die nachhaltige Forstwirtschaft eingegangen sind, sondern über Ihren Antrag. Vielleicht haben Sie unseren Antrag vor Ihrer Rede ja gelesen. Es ist sehr schön, dass Sie ein paar Argumente überzeugt haben.
(Bernhard Schulte-Drüggelte [CDU/CSU]: Ist das ein Witzbold oder was ist das?)
Ich befürchte aber, dass Sie aller Rhetorik zum Trotz an der traditionellen Forstwirtschaft festhalten wollen. Damit spreche ich jetzt die gesamte CDU/CSU-Fraktion an. Sie übersehen dabei, dass die Zerstörung des Regenwaldes nicht nur ein Problem des illegalen Holzeinschlages, sondern auch ein Problem des legalen Holzeinschlages ist.
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Die Urwälder können nämlich nur geschützt werden, wenn die Forstwirtschaft nicht nur legal, sondern auch nachhaltig betrieben wird. Das muss kontrolliert und zertifiziert werden. Das FSC-Siegel, das hier schon einige Male erwähnt wurde und durch das die Einhaltung ökologischer und sozialer Kriterien garantiert wird, wäre zum Beispiel ein sehr gutes Mittel dafür.
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Deswegen wird der Bund bei Baumaßnahmen künftig nur noch nachhaltig geschlagenes und entsprechend zertifiziertes Holz verwenden. Wir gehen hier mit gutem Beispiel voran. Auch jeder Verbraucher kann beim Einkauf in Baumärkten oder Möbelhäusern einen Beitrag dazu leisten. Um einen Beitrag zum Schutz des Regenwaldes zu leisten, muss man nicht nur Krombacher Bier trinken, sondern man kann auch Möbel kaufen, die ein FSC-Siegel tragen. Man muss sich auch vor Augen halten, dass wir das nicht nur für andere Menschen tun. Wir selber haben auch einen Nutzen davon, denn es trägt zum Klimaschutz bei; wir haben es schon gehört. Ganz wichtig ist auch die biologische Vielfalt in den Regenwäldern, die Heilpflanzen und Heilmittel für neue Medikamente hervorbringen. Im Unterschied zu Ihrem Antrag, in dem dazu nichts zu finden ist, steht in unserem Antrag, dass wir die Konvention über die biologische Vielfalt beibehalten wollen, die auch eine gerechte Verteilung der Gewinne aus der Nutzung der biologischen Vielfalt der Regenwälder beinhaltet. Ich sehe, dass meine Redezeit zu Ende geht. Es gilt nicht mehr das alte Umweltmotto „Global denken, lokal handeln“; wir müssen vielmehr global und national handeln. Wenn die Opposition „Denken“ im Sinne des Nachdenkens über unseren Antrag versteht, dann, so glaube ich, können Sie unserem Antrag nur zustimmen. In diesem Sinne bitte ich darum. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner:
Ich schließe die Aussprache.







