Meldung:

05. Mai 2017
Bericht aus Berlin vom 3. Mai 2017

1.Mai – ich bin dabei

Am 1. Mai, am Tag der Arbeit, wird demonstriert, so ist es Tradition. Auch ich war in diesem Jahr wieder in Hanau auf der Straße. Viele mögen denken, dass die 1. Mai-Demos inzwischen ein Anachronismus sind: Die Arbeitslosenzahlen in Deutschland sind niedrig wie nie seit der Wiedervereinigung, die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Jobs ist auf Rekordniveau. Also alles gut? Im nächsten Jahr können wir am 1. Mai zu Hause bleiben? Nein, der Kampf für Arbeitnehmerrechte hat nach wie vor seine Berechtigung.
Vielleicht müsste es heute eher „Tag der guten Arbeit“ heißen, denn in der Tat gibt es vor allem dank sozialdemokratischer Politik Arbeit genug, aber gute Arbeitsplätze und faire Löhne sind keinesfalls eine Selbstverständlichkeit. Zwar hat der auf Druck der SPD eingeführte Mindestlohn die Lage für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verbessert, aber trotzdem können noch immer viele Menschen von ihrer Hände Arbeit nicht leben. Die Lohnsteigerungen der letzten Jahre, die durch die gute konjunkturelle Entwicklung möglich geworden sind, sind vor allem den oberen 60 Prozent zugutegekommen. Für die unteren 40 Prozent fallen die Löhne alles andere als gerecht aus. Sie verdienen heute weniger als Mitte der 90er Jahre, trotz brummender Wirtschaft. Aus meiner Sicht besonders schlimm: Gerade im sozialen-, im Pflege- sowie im Gesundheitsbereich sind die Löhne oftmals inakzeptabel. Hier braucht es deutliche Steigerungen und vor allem bessere Arbeitsbedingungen durch mehr Personal. Wer Dienst am Menschen leistet, der muss dafür auch anständig bezahlt werden.
Aber die Lohnentwicklung ist nicht die einzige Ungerechtigkeit. Rund 750.000 Teilzeitbeschäftigte würden gerne mehr arbeiten und dürfen nicht. Gerade Frauen mit Kindern trifft das gezwungene Verharren in der Teilzeit: Dem geringeren Lohn folgt eine geringere Rente, von den ungleichen Karrierechancen einmal ganz abgesehen. Die Lösung wäre ein gesetzliches Rückkehrrecht in Vollzeit. Für eine moderne Gesellschaft eigentlich ein Muss. Ebenso dringend erforderlich ist aus meiner Sicht eine Abschaffung der sachgrundlosen Befristung von Arbeitsverträgen. Junge Menschen hangeln sich oft von Befristung zu Befristung – ohne jede Perspektive. Familienplanung quasi unmöglich. Das darf nicht sein!
Also, es gibt noch viel zu tun. Und so wird es wohl auch im nächsten Jahr wieder heißen: Am 1. Mai wird demonstriert.

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