Meldung:

21. Februar 2020
Gastkommentar im Hanauer Anzeiger

Es darf kein "weiter so" geben

Was letzte Woche passiert ist, macht uns alle immer noch fassungslos und traurig. Es ist gut, dass viele tausend Menschen in Hanau und Deutschland ihre Anteilnahme zeigten. Auch die Teilnahme von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an der Mahnwache auf dem Marktplatz brachte zum Ausdruck, dass ganz Deutschland trauert. Auch wenn es für die Angehörigen sicherlich keinen echten Trost geben kann, so ist es doch ein wichtiges Zeichen des Mitgefühls. Vor allem war und ist es gut, wenn wir immer und überall deutlich machen: Wir sind Hanau! Wir sind mehr!
Neben der Trauer muss von Hanau aus auch eine Mahnung, ein Weckruf ausgehen. Wir müssen entschlossener als bisher gegen Rassismus und rechte Hetze vorgehen. Ein „weiter so“ darf es nicht geben. Niemand darf mehr wegschauen oder weghören, wenn im Internet, am Arbeitsplatz, im Verein oder am Stammtisch rechter Hass und rechte Verschwörungstheorien verbreitet werden.
Auch jeder Wähler hat eine Verantwortung. Wollen wir weiter zulassen, dass rechtsextreme Politiker in unseren Parlamenten sitzen und Ausgrenzung schüren? Rassismus ist heute ein Stück weit hoffähig geworden. Genau da müssen wir dagegenhalten. Es darf nie gesellschaftsfähig sein, wenn der AfD-Fraktions- und Ehrenvorsitzende Alexander Gauland, meine Kollegin Aydan Özoguz aufgrund ihrer familiären türkischen Wurzeln „in Anatolien entsorgen“ lassen will, nur weil ihm ihre Meinung nicht gepasst hat.
Wer wie Gauland von der „Kanzler-Diktatorin“ und von der „Politik der menschlichen Überflutung" spricht und vom "Versuch, das deutsche Volk allmählich zu ersetzen durch eine aus allen Teilen dieser Erde herbeigekommene Bevölkerung" darf sich nicht wundern, wenn Verwirrte und Rechtsterroristen das als Bestätigung für ihre Gewalttaten sehen.

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