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11. April 2020
Kolumne in den Gelnhäuser Nachrichten

Wege aus der Corona-Krise

Die Corona-Krise hat schlimme gesundheitliche, aber auch gravierende wirtschaftliche und soziale Folgen. Der Bundestag hat zur Unterstützung der Wirtschaft das größte Hilfspaket in der Geschichte der Bundesrepublik verabschiedet. Meine Kollegin Bettina Müller hat in der letzten Woche bereits kompetent ausführlich an dieser Stelle darüber berichtet.
Es war absolut notwendig und richtig mit drastischen Maßnahmen den steilen Anstieg der Infektionsraten zu unterbrechen. Klar ist aber auch: Je länger die Einschränkungen dauern, desto größer wird nicht nur der wirtschaftliche Schaden. Auch die Fälle häuslicher Gewalt nehmen ebenso zu wie Depressionen aufgrund von Existenzängsten oder Vereinsamung. Deshalb ist es richtig jetzt eine breite, gesellschaftlich offene Debatte über eine Exitstrategie zu führen, die wieder mehr normales Leben ermöglicht ohne die Infektionszahlen erneut stark ansteigen zu lassen.
Viele Bügerinnen und Bürger basteln im wahrsten Sine des Wortes bereits an einer Exitstrategie, dem Mund-Nasen-Schutz. Ich finde es toll, dass so viele Menschen zurzeit in Eigeninitiative Mund-Nasen-Masken schneidern und basteln. Jeder kann unbemerkt Träger des Virus sein. Um eine Tröpfcheninfektion auf andere zu verhindern, muss man den Ausstoß der eigenen Tröpfchen vermindern. Bereits eine in wenigen Minuten selbst gefertigte einfache Maske verringert erheblich das Risiko, andere Menschen mit dem Coronavirus durch Husten, Niesen oder Sprechen anzustecken. Und wenn alle eine solche Maske tragen, kann man auch selbst kaum angesteckt werden. Das sagen mittlerweile alle führenden Virologen und seit einer Woche nun endlich auch das Robert-Koch-Institut. In den asiatischen Ländern, die erfolgreich bei der Eindämmung des Virus waren, hat das flächendeckende Tragen von Mund-Nasen-Masken eine entscheidende Rolle gespielt. Deshalb setze ich mich bereits seit längerem für eine bundesweite Verpflichtung ein, dass alle Menschen einfache Masken in geschlossenen öffentlichen Räumen tragen müssen. Dann könnten als Teil einer Exitstrategie nach dem 20. April unter Wahrung vernünftiger Abstände und sonstiger Hygieneregeln unter anderem alle Einkaufsgeschäfte wieder öffnen und schrittweise soziales und kulturelles Leben in Bürgerhäusern oder Museen wieder stattfinden. Auch das Fahren mit Bahn und Bus würde wesentlich sicherer als jetzt werden. Oft wird eingewendet, dass die Masken dann für medizinische Einrichtungen fehlen würden. Dabei wird übersehen, dass die einfachen Masken, die Textilhersteller, (Änderungs-)Schneidereien und viele Menschen zurzeit selbst in Deutschland anfertigen, für den medizinischen Bereich gar nicht zugelassen sind. Somit stehen diese einfachen Masken auch nicht in Konkurrenz zu den in der Tat dringend benötigten, zertifizierten medizinischen Schutzmasken, die meist im Ausland produziert werden. In diesem Sinne nutzen Sie die Osterfeiertage zu Hause und bemalen Sie diesmal nicht nur Eier, sondern basteln Sie auch Masken!

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