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10. August 2020
Gastkommentar im Hanauer Anzeiger

Drinnen ist nicht draußen

In der öffentlichen Diskussion um die zuletzt gestiegenen Zahlen der Corona-Neuinfektionen wird der gravierende Unterschied zwischen den Gefahren im Freien und in geschlossenen Räumen zu wenig beachtet. Alle Studien und Erfahrungen der letzten Monate zeigen deutlich, dass die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung des Virus im Freien sehr gering ist. Insbesondere „Superspreader“ haben im Freien kaum eine Chance viele Personen anzustecken. Ganz anders stellt sich die Situation in geschlossenen Räumen dar. Deshalb ist hier eine Mund-Nasen-Maskenpflicht das entscheidende Vorbeugungsmittel.
Mich ärgert es, wenn beispielsweise Berichte über Anstiege der Infektionszahlen in Kalifornien und Florida mit Fotos von vollen Stränden unterlegt werden. In den USA erkranken drei Mal so viele Schwarze und Hispanics an Corona wie Weiße. Das liegt nicht daran, dass schwarze und hispanische US-Bürger drei Mal so lange am Strand liegen, sondern viel häufiger dicht gedrängt in Küchen und Hinterhoffabriken schuften und in wesentlich engeren Wohnverhältnissen leben müssen. Auch die gestiegenen Infektionen in manchen europäischen Ferienregionen sind nicht auf volle Strände zurückzuführen, sondern - wie teils bei uns - auf Partys in Bars, Clubs und privaten geschlossenen Räumen.
Natürlich sollten auch im Freien die Abstandsregeln eingehalten werden. Man muss aber zur Kenntnis nehmen, dass die vielen großen Treffen und Partys unter freiem Himmel, die es in Berlin bereits seit Anfang Mai gibt, nicht zu einem nennenswerten Anstieg der Infektionen geführt haben. Wir sollten uns deshalb stärker auf die Eindämmung der Infektionen in geschlossenen Räumen konzentrieren und hier konsequenter sein. Dazu gehört auch eine bundesweite Maskenpflicht für Gottesdienste und den Schulunterricht.

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