Meldung:

30. November 2020
Gastkommentar im Hanauer Anzeiger

Fake-News

Um es gleich vorweg zu sagen: Natürlich ist es völlig legitim, Gesetze und Einschränkungen zum Schutz der Bevölkerung vor einer Corona-Infektion zu kritisieren. Ich selbst habe in der Vergangenheit nicht nur innerhalb der SPD-Bundestagsfraktion, sondern auch an dieser Stelle in meinen Gastkommentaren die eine oder andere Maßnahme kritisch hinterfragt. Allerdings sollte eine kritische Diskussion immer auf einer seriösen Faktengrundlage beruhen und nicht auf Fake-News, Lügen, Hass und Hetze. Leider haben meine Kollegen und ich in den letzten Wochen unzählige E-Mails und Anrufe erhalten, in denen die einfachsten Fakten geleugnet werden. Besonders gängig ist die Behauptung, dass Corona nicht schlimmer als eine Grippe sei. Die Tatsache, dass es gegen Grippe aber einen Impfstoff gibt und gegen Corona eben noch nicht, wird einfach ausgeblendet. Noch schlimmer ist es, wenn die Gesetze zum Schutze der Bevölkerung in Anspielung auf Hitlers Machtergreifung als „Ermächtigungsgesetze“ bezeichnet werden oder eine Demonstrantin sich mit Sophie Scholl vergleicht. Ein Bürger aus Hanau schrieb mir, dass die Situation für die Kinder hierzulande mit den Kindern vergleichbar sei, „die im Krieg aufwachsen müssen.“ Geht`s noch? Wer eine Maskenpflicht mit dem furchtbaren Leid in Konzentrationslagern und in Kriegsgebieten vergleicht, verhöhnt die Opfer und diskreditiert sich selbst. Die große Mehrheit der Bevölkerung ist zum Glück solidarisch und vernünftig. Eine Minderheit radikalisiert sich zurzeit jedoch vor allem in den sozialen Netzwerken und richtet sich in einer gefährlichen Parallelwelt ein, in der Fake-News die Wirklichkeit ersetzen. Wenn wir keine US-amerikanischen Zustände wollen, sind wir sind nun alle gefordert mit Zivilcourage unsere Demokratie zu verteidigen. Wir sind mehr!

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