Statement:

11. Januar 2021
Gastkommentar im Hanauer Anzeiger am 11.01.2021

Mehr impfen!

Die Verlängerung des Lockdowns halte ich großteils für richtig. Die zusätzlichen Verschärfungen sind meines Erachtens aber nur teilweise verhältnismäßig. Die Schließung von Betriebskantinen ist zweifellos sinnvoll. Die Einschränkung des Bewegungsradius auf 15 Kilometer um den Wohnort bei einer Inzidenz von 200 pro 100.000 Einwohner ist meiner Meinung nach weder sinnvoll noch verhältnismäßig. Eine Familie, die beispielsweise in Hanau wohnt, sollte die Möglichkeit haben, mit den Kindern einen Ausflug in den Spessart zu machen. Bewegung an der frischen Luft ist ungefährlich und gesund. Zu viele Besucher bei den wenigen Ski- und Rodelgebieten in Hessen können durch Beschränkungen bei der Zufahrt oder der Parkplätze gesteuert werden. Das ist auch weit weniger personalintensiv als flächendeckende Polizeikontrollen zur Einhaltung eines 15 km-Radius. Letztlich werden uns nur die Impfungen aus der Corona-Krise führen. Bei aller Anerkennung für ihre bisherigen Verdienste hätten sich die Kanzlerin und der Gesundheitsminister deshalb im zweiten Halbjahr 2020 im Rahmen des deutschen Vorsitzes der EU-Ratspräsidentschaft stärker dafür einsetzen müssen, rechtzeitig für die gesamte EU mehr Impfstoffe zu bestellen. Die Kosten für zu viel gelieferte Impfstoffe sind viel geringer als die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Schäden durch zu wenige bzw. zu späte Impfungen. Außerdem wären früher Gespräche mit Pharmakonzernen und Impfherstellern nötig gewesen, um die Produktionskapazitäten zu erhöhen. Wenn die Risikogruppen geimpft sind (90 Prozent der Todesfälle betreffen über 70-Jährige), sollten umgehend die meisten Einschränkungen zurückgenommen und nicht weitere Monate auf eine Herdenimmunität gewartet werden. Bis dahin gilt: AHA-Regeln einhalten und Kontakte einschränken.



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