Statement:

25. Januar 2021
Gastkommentar im Hanauer Anzeiger am 25.01.2021

IMPFCHAOS

Die Organisation der Impfungen durch die hessische Landesregierung ist bisher leider sehr schlecht verlaufen. Wir haben beispielsweise in unserer Familie zu viert viele Stunden hunderte Male über die Telefonhotline und die Webseite vergeblich versucht, Termine für meine 83-jährige Mutter zu bekommen. Irgendwann ist es uns noch geglückt und letzte Woche stand im Impfzentrum Frankfurt der erste Impftermin an. In der Frankfurter Festhalle herrschten Zustände, die gesundheitsgefährdend waren. Als nach etwa 2 Stunden die eigentliche Impfung endlich vollbracht war, durfte niemand die Halle verlassen, bevor nicht noch am Ende ein Arzt seine Unterschrift in den Impfpass schrieb. Dabei kam es zu einem langen Rückstau, in dem keinerlei Abstände mehr eingehalten werden konnten, weil von hinten ständig neue, frisch geimpfte Personen, nachdrängten. Unzählige über 80-Jährige standen teils mit jüngeren Begleitern etwa eine Stunde lang dicht an dicht gedrängt in einer engen Warteschlange. Wären alle 28 Impfzentren einschließlich in Hanau und Gelnhausen, wie von Thorsten Stolz und Claus Kaminsky zurecht gefordert, von Anfang an geöffnet gewesen, hätten sich die Impfberechtigten entsprechend verteilt und diese gefährliche Situation wäre nie entstanden. Am schlimmsten ist jedoch, dass insgesamt zu wenig Impfstoff zur Verfügung steht. Niemand bestreitet, dass es richtig gewesen ist, auf nationale Alleingänge zu verzichten und gemeinsam über die EU zu bestellen. Aber die Kanzlerin und der Gesundheitsminister hätten rechtzeitig darauf drängen müssen, dass die EU viel früher viel mehr Impfstoff bestellt und größere Produktionskapazitäten vereinbart. Die derzeit zu wenigen Impfdosen kosten jeden Tag viele Menschenleben und insgesamt hunderte Milliarden Euro durch einen langen Lockdown.


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