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08. Februar 2021
Gastkommentar im Hanauer Anzeiger vom 08.02.2021

Aus Fehlern lernen

Es ist gut, dass nach den heftigen Protesten von mir und anderen Betroffenen die anfänglichen gesundheitsgefährdenden Mängel im Impfzentrum Frankfurt schnell behoben wurden. Ebenfalls positiv ist es, dass in dieser Woche endlich alle Impfzentren in Hessen öffnen, also auch in Hanau und Gelnhausen. Nach wie vor bitter ist es aber, dass nicht genügend Impfstoff zur Verfügung steht, weil die EU-Kommission gravierende Fehler bei der Bestellung gemacht hat. Manche sagen, es bringt nichts zurückzuschauen. Aus Fehlern kann man aber nur lernen, wenn man sie auch anerkennt. Es ist traurig, dass Kanzlerin Merkel weiter störrisch behauptet, bei den Bestellungen sei alles bestens gelaufen. Fakt ist, dass Deutschland im zweiten Halbjahr 2020 den EU-Ratsvorsitz innehatte. Die Kanzlerin hätte mit ihren engen Beziehungen zu Ursula von der Leyen darauf drängen müssen, dass die EU viel früher viel mehr Impfstoff bestellt und ausreichende Produktionskapazitäten vereinbart. Deutschland und die EU sind ein großer Pharmastandort. Bereits im August hätten Gespräche mit allen europäischen Pharmakonzernen und den potenziellen Impfherstellern geführt werden müssen, um die Produktionskapazitäten gemeinsam rechtzeitig auszubauen. Dann hätten im ersten Quartal 2021 wesentlich mehr Impfdosen zur Verfügung gestanden. Viele Menschenleben und hunderte Milliarden Euro wären gerettet worden.
In die Zukunft gerichtet teile ich die Empfehlung des Ethikrates, wonach für kommende Corona-Regelungen nicht mehr die Infektionszahlen, sondern die Anzahl der Hospitalisierungen ausschlaggebend sein sollte. In diesem Sinne sollten nach Impfung der Risikogruppen die meisten Einschränkungen (bis auf z.B. die Maskenpflicht in geschlossenen öffentlichen Räumen) für die gesamte Bevölkerung zügig zurückgenommen werden.

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