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12. Juli 2012

„Für die Zukunft des Industriestandorts Deutschland entscheidend“

Dr. Raabe zu Besuch bei Fraunhofer-Projektgruppe für Wertstoffkreisläufe in Hanau

Seltene Erden werden immer teurer, wichtige Rohstoffe wie Platin und Indium immer rarer, und in einem Handy sind zwar 60 chemische Elemente verbaut, doch nur das Gold wird recycelt – wenn überhaupt. Mit Lösungen für diese Probleme beschäftigt sich die neue Projektgruppe des Fraunhofer-Instituts im Industriepark Wolfgang (IPW). „In Hanau werden Aufgabenfelder bearbeitet, die nicht nur für die Zukunft des Industriestandorts Deutschland entscheidend sind“, erklärte Bundestagsabgeordneter Dr. Sascha Raabe bei einem Besuch der Forschungseinrichtung, zu dem Projektleiter Professor Rudolf Stauber den SPD-Politiker eingeladen hatte.

Die Projektgruppe für Wertstoffkreisläufe und Ressourcenstrategie (IWKS) verfüge über ein Alleinstellungsmerkmal und sei ein „Aushängeschild für die Region“, so Raabe. Recyclingkonzepte, die Substitution, also der Ersatz von seltenen Rohstoffen sowie die Entwicklung von Ressourcenstrategien sind die drei Kernziele der Projektgruppe. „In vielen Deponien lagern mehr Wertstoffe als in manchen Bergwerken“, weist Professor Stauber auf einen erstaunlichen Aspekt hin. Das Herauslösen von Phosphaten aus Abwässern, das Recycling von Industrieschlacken und die Aufarbeitung von Elektronikschrott nennt der zuvor im BMW-Entwicklungszentrum beschäftigte Chemiker als weitere Beispiele. Mit dem Recycling von Solarmodulen, deren Wirkungsgrad nach 20 Jahren rapide sinkt, käme eine weitere Großaufgabe auf den Industriestandort Deutschland zu. Geforscht wird in Hanau vornehmlich im Bereich der Substitution, beispielsweise dem Ersatz der Seltenen Erde Dysprosium als magnetischem Stoff, ohne den die vielen Elektromotoren in Windrädern oder Autos weitaus größer und schwerer sein müssten.

Bis Jahresende wird die Zahl der Mitarbeiter auf zehn steigen, bis Ende der Aufbauphase 2016 sollen in Hanau und dem Tochterstandort Alzenau 70 Materialforscher und auch Ökonomen beschäftigt sein. Die Fraunhofer-Projektgruppe kooperiert mit Universitäten und Hochschulen sowie mit Dutzenden Unternehmen wie den Hanauer Firmen Heraeus, Umicore, Vacuumschmelze (VAC) und Evonik -  ein Faktor für die Standortwahl. Das gemeinnützige Fraunhofer-Institut, auf dessen Konto unter anderem die Entwicklung der MP3-Technik geht, beschäftigt 20.000 Forscher an 60 Standorten in Deutschland. Ein Drittel der Forschungsmittel finanziert der Bund.

Auch die Notwendigkeit eines geänderten Konsumverhaltens und die umweltbelastenden und menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen beim Abbau der seltenen Erden waren Gesprächsthemen von Stauber und Raabe. „Recycling und Substitution sind entscheidende Faktoren, um die teils unwürdigen Bedingungen beim Abbau der seltenen Rohstoffe in den ärmsten Ländern zu verbessern. Ziel muss es sein, dass die Menschen, oftmals Kinder, nicht mehr unter Gefährdung ihrer Gesundheit arbeiten müssen. Was in Hanau geschieht, könnte auf Dauer den Minenarbeitern in China und Afrika helfen“, sagte Dr. Raabe, der sich als entwicklungspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion für mehr „Green Economy“ einsetzt.


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