Pressemitteilung:

27. Juli 2012
Arbeitsmarkt Main-Kinzig

Chancen und Risiken des demografischen Wandels

Fachkräftemangel: Noblé und Raabe für Bündel an Maßnahmen

Noch handele es sich um einen konjunkturellen Fachkräftemangel, der durch Zuwanderung aus anderen Teilen Deutschlands und des Auslands korrigiert werde. Aber schon 2015 könne im Main-Kinzig-Kreis der demo-grafische Wandel zuschlagen.

„Je weiter ostwärts im Kreis, desto desolater die Entwicklung“, erklärte Alexander Noblé, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit (AA) in Hanau, bei einem Informationsgespräch mit dem Bundestagsabgeordneten Dr. Sascha Raabe. „Einige Experten meinen, dass alle Kommunen ostwärts der Autobahn 45 ab 2020 hochgradig gefährdet seien“, so Noblé. Der Politiker und der Arbeitsamts-Chef sind sich bewusst, dass zum Gegensteuern ein ganzes Bündel an Maßnahmen notwendig ist. Dass das von der Bundesregierung geplante Betreuungsgeld allerdings „nicht der Schritt in die richtige Richtung ist“, da sind sich die Beiden einig. Vielmehr müssten die Kinderbetreuungsangebote ausgebaut werden, damit der Anteil berufstätiger Frauen steige.
Eine Erhöhung des Frauenanteils in der Berufswelt, eine geringere Quote an Jugendlichen ohne Schulabschluss und eine neue „Willkommenskultur“, um ausländische Arbeitskräfte beispielsweise auch für abseits der Zentren gelegene Städte wie Bad Orb zu gewinnen, seien Mittel, den Fachkräftemangel zu reduzieren. „Auch wenn es sich nur um ein theoretisches Potenzial handelt: Wir würden im Main-Kinzig-Kreis über 13.000 Arbeitskräfte mehr verfügen, wenn wir bei Frauen eine Erwerbsquote wie bei Männern hätten“, rechnet Noblé vor. Frauen dürften sich in der Babypause nicht komplett vom Arbeitsmarkt abkoppeln. Hier seien Strategien und Instrumente wie Abend- und Fernkurse notwendig, um Frauen zu fördern oder im Berufsleben auch von zu Hause aus einzubinden.
Neben Kindern ist die häusliche Pflege eine Aufgabe, die meist von Frauen übernommen wird. „Es gibt im Main-Kinzig-Kreis nur eine Tagespflegestelle. Das ist ein Problem“, sagt Raabe. Hier gilt es noch weitere Angebote zu entwickeln.
Rund 600 Jugendliche pro Jahr verlassen die Schule ohne Abschluss. „Gute Bildung ist das wichtigste Ziel von uns. Der demografische Wandel bietet Jungendlichen auch eine Chance. Während sie früher auch bei guten Leistungen häufig vergeblich einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz suchen mussten, wissen junge Menschen in Zukunft: Bei guter Ausbildung bekomme ich auch einen guten Job“, so der SPD-Politiker.
Eine gemeinsame Aufgabe nennen Noblé und Raabe die Anwerbung von ausländischen Fachkräften. „Wir kommen an einer gezielten Migration nicht vorbei. Das ist aber nicht die Hauptquelle, sondern eher die vierte Quelle“, sagt Noblé. Zumal, so Raabe, für gut qualifizierte Leute, die Englisch sprechen, Deutschland nicht an erster Stelle auf der Liste der Wunschländer stehe. „Da müssen wir von unserem hohen Ross herunter.“ fordert Raabe ein Umdenken in der Migrationspolitik.


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