Pressemitteilung:

06. September 2012
Bericht aus Berlin

Teurer Strom

Die Energiewende sorgt derzeit wieder einmal für Schlagzeilen – leider keine guten. Auch auf der Umweltmesse „Öko-Trends“ in Meerholz, an deren Eröffnung ich vergangenen Freitag teilgenommen habe, war der viel zu langsame Ausbau der erneuerbaren Energien durch die Bundesregierung das zentrale Thema. Mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und mit dem Ausstiegsbeschluss aus der Atomenergie hatte die frühere rot-grüne Regierung eigentlich zeitig die Grundlagen für eine von endlichen Ressourcen unabhängige Energieversorgung gelegt. Die Weichen waren damals richtig gestellt worden, das hat auch Öko-Trends Mitorganisator Dr. Consemüller vom BUND in seiner Eröffnungsrede zu Recht betont. Leider sind die Weichen nach dem Regierungswechsel wieder umgestellt worden. Mit dem unter Schwarz-Gelb erfolgten zwischenzeitlichen Ausstieg aus dem Atomausstieg ist viel wertvolle Zeit verspielt worden. Erst nach Fukushima hat endlich auch diese Regierung die Notwendigkeit des Umstiegs auf regenerative Energieformen erkannt – offensichtlich eher widerwillig. Mit dem eigentlich notwendigen Engagement treibt sie die Energiewende jedenfalls nicht voran. Im Gegenteil gibt es bei Union und FDP immer noch viele, die auch jetzt wieder versuchen, vor der anstehenden Neuberechnung des EEG-Aufschlags auf den Strompreis die erneuerbaren Energien mit der Diskussion um den vermeintlich so teuren Ökostrom zu torpedieren.
Eine Mär. Zwar ist es richtig, dass mit einer Anhebung des Aufschlags zugunsten des Ausbaus erneuerbarer Energien von derzeit 3,6 Cent pro Kilowattstunde auf dann gut 5 Cent zu rechnen ist. Falsch aber ist der Rückschluss, dass die regenerativen Energien mehr Kosten verursachen, als die herkömmlichen Energien. Wie eine jüngst veröffentlichte Studie belegt, verursachen konventionelle Energien wie Kohle und Atom deutlich mehr Kosten, als auf der Stromrechnung ausgewiesen werden. Der Unterschied bei diesem Strom ist, dass die Verbraucher die versteckten Zusatzkosten nicht über die Rechnung ihres Stromversorgers, sondern über Steuern und Abgaben zahlen. Wie die Studie zeigt, profitieren gerade die konventionellen Energien von umfangreichen staatlichen Förderungen. Während die Steinkohle-Verstromung zwischen 1970 und 2012 insgesamt 177 Milliarden Euro an Subventionen, Braunkohle 65 Milliarden und die Atomstromproduktion sogar 187 Milliarden Euro erhielten, kommen die erneuerbaren Energien bis heute gerade einmal auf 54 Milliarden Euro. Würde man die staatliche Förderung der konventionellen Energie direkt auf die Verbraucher umlegen, müsste der Strompreis um mindestens 10 Cent pro Kilowattstunde höher liegen. Das ist dreimal soviel wie die derzeitige EEG-Umlage.
Nichts desto trotz gilt: Steigende Strompreise stellen für uns alle eine Belastung da. Um so schlimmer, wenn sie einer falschen Politik und Fehlplanung geschuldet sind. Bestes Beispiel dafür ist die Ankündigung der Bundesregierung, dass die Verbraucher demnächst mit einer pauschalen Umlage für die Verzögerungen beim Netzausbau bzw. beim Ausbau der Offshore-Windparks haften sollen. Die geplante Umlage wird den Durchschnittshaushalt etwa 10 Euro im Jahr kosten. Der Kunde soll also für eine verfehlte Politik und für Planungspannen der Versorger zur Kasse gebeten werden, während sich die Netzbetreiber die Hände reiben können und für ihr Missmanagement auch noch belohnt werden. Mit solchen Beschlüssen erweist man der eigentlich auch von den Bürgern gewollten Energiewende einen Bärendienst.

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