Meldung:

14. Februar 2013
Bericht aus Berlin_14.02.2013

Rücktritte

„Ich schäme mich nicht nur heimlich“ hatte Frau Annette Schavan damals über Karl-Theodor zu Guttenberg gesagt, als dieser mit seiner Doktorarbeit unter Plagiatsverdacht stand. Unvergessen das Bild als Annette Schavan diebisch schadenfroh grinste als sie gemeinsam mit der Kanzlerin per SMS von seinem Rücktritt erfuhr. Wenn eine Bundesministerin für Bildung und Forschung dann ihren eigenen Doktorgrad von ihrer Universität aberkannt bekommt, sollte sie sich für sich selbst schämen. Zurückgetreten ist sie zwar, aber Respekt kann ich ihr dafür nicht zollen. Mir ist da zu viel Opferrolle mit im Spiel. Wer ausgerechnet als Bildungsministerin bei der Dissertation geschummelt hat, sollte etwas demütiger sein. Bundeskanzlerin Merkel muss sich hingegen fragen lassen, was der neuerliche Rücktritts eines ihrer Kabinettsmitglieder für ein Licht auf die Bundesregierung wirft. Schließlich sind es ja nicht nur Jung, Guttenberg und Röttgen, die bereits zurückgetreten bzw, entlassen worden sind, sondern darüber hinaus gabe noch etliche kabinettsinterne Rochaden seit 2009. Dazu kommen die Rücktritte von zwei Bundespräsidenten, die beide von Merkel ausgewählt waren. Für mich wirft dies ein schlechtes Licht auf die Regierung und die Führungsqualitäten der Kanzlerin.
Nicht jeder Rücktritt wirft ein schlechtes Licht. Der Entscheidung des Papstes sein Amt abzugeben zolle ich hohen Respekt. Ein wirklich ungewöhnlicher Schritt, der uns den Papst noch ein bisschen menschlicher macht. Es ist gut, dass ein Papst den Mut hat zu bekennen, dass er aufgrund des fortgeschrittenen Alters und der damit verbundenen Leiden nicht mehr die notwendige Kraft für das Amt aufbringen kann. Gut wäre es, wenn nun ein junger Papst nachfolgt, der die dringend nötigen Reformen in der katholischen Kirche voranbringt. Als Katholik habe ich mich in der Vergangenheit oft nicht nur heimlich für viele skandalöse Vorgänge geschämt: Sexuelle Missbrauchsfälle durch Priester und deren halbherzige Aufarbeitung, die Ablehnung von Kondomen für HIV-infizierte Menschen in Afrika, die jüngste Verweigerung einer Pille danach für eine vergewaltigte Frau und der oft gnadenlose Umgang mit bekennenden Homosexuellen und Geschiedenen. Gott sei Dank, gibt es aber auch unzählige katholische Priester und Gläubige, die engagiert und undogmatisch Menschen in Not in Deutschland und überall auf der Welt beistehen, die ein modernes Familien- und Gesellschaftsbild haben und die mich auch stolz auf meine Kirche machen. Ich wünsche mir, dass sie in dem neuen Papst einen engagierten Fürsprecher haben werden. Dem scheidenden kranken Papst möchte ich keine kritischen Wort mitgeben, sondern einfach nur gute Besserung und einen friedlichen und glücklichen Lebensabend wünschen.

Sitemap