Pressespiegel:

Berlin, 12. März 2009
12.03.09

AMOKLAUF IN WINNENDEN

Was ist im Kopf dieses Jungen vorgegangen?

Wenn ich hier in meinem Berliner Büro aus dem Fenster schaue, sehe ich über den Gebäuden des Bundestages die Flaggen auf Halbmast gesetzt. Sie sind zum einen der symbolische Ausdruck der nationalen Trauer. Zum anderen sind sie aber auch eine Mahnung an uns politisch Verantwortliche, alles Menschenmögliche dafür zu tun, damit solche Taten in Zukunft verhindert werden. Nun kann niemand so naiv sein zu denken, irgendein Gesetz dieser Welt könnte uns vor einem zu allem entschlossenen Amokläufer beschützen. Trotzdem müssen wir uns die Frage stellen, was getan werden kann. Wichtig wird es sein, mit ausgebildetem Personal die psychologische Betreuung an den Schulen auszuweiten, wie es der Deutsche Lehrerverband fordert. Streitschlichter und Deeskalationstrainings könnten ein Mittel sein, um aufgestautes Aggressionspotential abzubauen. In diesem Bereich gibt es sicher noch vieles, was verbessert werden kann, um präventiv tätig zu werden.
Die Tat wirft aber auch die Frage auf, ob die Bestimmungen im deutschen Waffenrecht wirklich so lückenlos sind, wie wir geglaubt haben. Ich warne vor gesetzgeberischen Überreaktionen unter dem Eindruck der aktuellen Ereignisse. Das ist nie gut. Aber eine offene Diskussion darüber, ob das, was nach dem Amoklauf von Erfurt 2002 gesetzlich geändert wurde, ausreichend ist, wird sicher notwenig sein. Damals wurde u.a. das Waffenrecht verschärft. So dürfen Sportschützen heute erst ab einem Alter von 21 statt vorher 18 Jahren großkalibrige Gewehre und Pistolen besitzen. Auch die Vorschriften zur Lagerung der Waffen sind strenger geworden.
Aber reicht das aus? Tatsache ist, dass der 17-Jährige Amokschütze von Winnenden offensichtlich keine Probleme hatte, an die Waffe seines Vaters zu kommen. Nach allem, was wir wissen, war die Pistole unverschlossen verwahrt worden. Das ist gegen das Gesetz. Für dieses folgenschwere Versäumnis wird sich der Vater verantworten müssen, aber das ist Sache der Strafverfolgungsbehörden. Winnenden ist aber auch der Beleg dafür, dass es jugendlichen Tätern noch immer zu einfach gemacht wird, sich scharfe Schusswaffen zu besorgen. Ob eine weitere Verschärfung des Waffenrechts dem Abhilfe schaffen kann, darüber lässt sich streiten. Was meines Erachtens in jedem Fall verschärft werden sollte, sind die Kontrollen zur Einhaltung der geltenden Bestimmungen, insbesondere was die Aufbewahrung von Waffen im privaten Bereich angeht. Die strengsten Regeln bringen nichts, wenn sie nicht kontrolliert werden. Gerade dort, wo Kinder und Jugendliche mit im Haushalt leben, muss von staatlicher Seite überprüft werden, ob Waffen ordnungsgemäß gelagert werden. Kein Jugendlicher darf die Möglichkeit haben, ungehindert eine Waffe in die Hand zu bekommen.

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