Pressemitteilung:

Berlin, 19. März 2009
19.03.09

KONDOME SCHÜTZEN

Dr. Sascha Raabe MdB - Bericht aus Berlin

Kondome schützen – eigentlich sollte das auch der Papst wissen. Mit seinen Äußerungen, Kondome würden das AIDS-Problem in Afrika nur verschlimmern, hat Benedikt der XVI. dem weltweiten Kampf gegen HIV/AIDS einen Bärendienst erwiesen.
Gerade aus entwicklungspolitischer Sicht sind die Äußerungen des Papstes ausgesprochen problematisch. Seit Jahren ist die Bekämpfung von HIV/AIDS in Entwicklungsländern ein Schwerpunkt der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Für die Umsetzung des Millenniumsentwicklungsziels der Vereinten Nationen, bis 2015 die weltweit zunehmende Ausbreitung von HIV/AIDS zu stoppen, stellt Deutschland jährlich immerhin rund 500 Millionen Euro bereit. Diese Bemühungen konterkariert Papst Benedikt mit seiner Haltung. Das ist ein Schlag ins Gesicht nicht nur der staatlichen deutschen Entwicklungszusammenarbeit, sondern auch der vielen Helfer in den Nichtregierungsorganisationen und in den kirchlichen Hilfswerken, die sich im Kampf gegen AIDS in Afrika und anderswo einsetzen.
In vielen Ländern ist die Lage trotz aller Anstrengungen noch immer dramatisch. Allein in Afrika südlich der Sahara leben rund 22 Millionen Infizierte. In einigen Staaten Afrikas sind mehr als ein Fünftel der Menschen zwischen 15 und 49 Jahren infiziert, die Mehrheit sind Frauen. Gerade diesen Frauen müssen wir helfen. Hier sind Aufklärung und Beratung gefragt. Kondome und der Zugang zu Gesundheitseinrichtungen sind dabei von zentraler Bedeutung. Um AIDS wirksam zu bekämpfen müssen wir Tabus brechen und nicht neue Tabus aufbauen!
Natürlich kann HIV/AIDS nicht alleine durch das Verteilen von Kondomen besiegt werden. Die Überwindung von Armut und die Verbesserung von sanitären und medizinischen Einrichtungen sowie Bildung, Aufklärung und die Stärkung von Frauenrechten sind ebenso wichtig und deshalb auch integraler Bestandteil der deutschen Entwicklungszusammenarbeit.
Die katholische Kirche mit ihren Hilfswerken spielt dabei eine wichtige Rolle. Immer wieder konnte ich mich selbst vor Ort davon überzeugen, dass dort mit großem Engagement von den Kirchen eine vorbildliche Arbeit zur Bekämpfung von Hunger und Armut geleistet wird. Es ist bedauerlich, dass dieses segensreiche Wirken jetzt durch die Äußerungen des Papstes, die selbst bei vielen Katholiken auf Kritik stoßen, in den Hintergrund gerückt wird.
Dass der Papst die anstrengende Reise nach Afrika auf sich genommen hat, um so den Fokus der Weltöffentlichkeit auf die Not der Menschen dort zu lenken, ist gut. Damit zeigt Benedikt, dass ihm die Ärmsten der Armen wichtig sind, und dass sie immer auf die Unterstützung der Kirche zählen können. Seine Haltung in der AIDS-Frage allerdings ist inakzeptabel. Kondome retten Leben – ob hier bei uns in Europa oder auf anderen Kontinenten. Wer allein auf die sexuelle Enthaltsamkeit setzt und sinnvolle Mittel zur Verhütung von Schwangerschaften - aber eben auch von übertragbaren Krankheiten - verteufelt, handelt verantwortungslos.

Sitemap