Pressemitteilung:

Berlin, 21. Oktober 2010
21.10.10

ZUM TOD VON HERMANN SCHEER

Dr. Sascha Raabe MdB - Bericht aus Berlin

Hermann Scheer hatte sein Bundestagsbüro in Berlin direkt gegenüber von meinem. Wir haben uns oft auf dem Flur getroffen, haben uns morgens einen schönen Tag gewünscht oder im Fahrstuhl weiter diskutiert, wenn wir abends von der gemeinsamen Fraktionssitzung kamen.
Mit seinen 30 Jahren Bundestagserfahrung war er – und das meine ich voller Respekt – ein „alter Haudegen“, neudeutsch würde man wohl sagen: ein „political animal“. Gespräche mit ihm waren immer eine Bereicherung.
Es fällt mir noch immer schwer zu begreifen, dass es damit nun vorbei ist. Hermann Scheer ist in der vergangenen Woche gestorben. Viel zu früh, mit nur 66 Jahren. Ich werden ihn vermissen und bin damit nicht allein. Er hinterlässt in der SPD-Fraktion als Persönlichkeit und als Fachmann eine Lücke, die wir nicht so schnell werden schließen können. Hermann war stets ein streitbarer Parlamentarier, ein Aktivist und kein Karrierist. Er hat immer zu seinen politischen Überzeugungen gestanden, hat sich nie verbiegen lassen und damit viele Menschen begeistert. Ich bin mir sicher, dass Deutschland in der Frage der erneuerbaren Energien noch längst nicht soweit wäre, hätte es nicht einen Hermann Scheer gegeben, der überzeugen konnte. Seine Idee von einer Energieversorgung ohne Atomkraft und ohne Kohle wurde lange belächelt. Heute wissen wir, dass es möglich und notwendig ist, auf regenerative Energieformen umzustellen. Das wird immer sein politisches Vermächtnis bleiben: sein unermüdlicher Einsatz für die Energiewende. Mit Hermann Scheer ist Deutschland im internationalen Vergleich zum Vorreiter im Bereich der „grünen“ Energie geworden. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz, das er in der Zeit der rot-grünen Bundesregierung maßgeblich geprägt hat, ist mittlerweile ein echter weltweiter Exportschlager. Schade nur, dass er seine Visionen in Hessen nicht als Minister umsetzen konnte. Für uns in Hessen wäre das ein große – auch wirtschaftliche – Chance gewesen. Es ist nun an uns, sein Vermächtnis fortzuführen und in Zeiten von Atom-Laufzeitverlängerung und schwarz-gelber energiepolitischer Rolle Rückwärts weiter für die erneuerbaren Energien zu kämpfen.
Hermann Scheer ist tot und es ist traurig zu sehen, dass sich bereits die Umzugskartons vor seinem Büro stapeln. Seine Ideen aber werden weiterleben. Sie sind zu groß, als dass sie in ein paar Pappkartons verpackt werden könnten.

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