Pressemitteilung:

Berlin/Main-Kinzig-Kreis, 24. März 2011
24.03.11

DR. SASCHA RAABE: „HAUSÄRZTLICHE VERSORGUNG SICHERN“

"Vertrauensverhältnis zu den Patienten setzt Zeit voraus"

Keine Hausbesuche mehr, weite Entfernungen bis zum nächsten Arzt, kein kurzentschlossener Besuch, stattdessen eine Tagesreise. So könnte die Zukunft der hausärztlichen Versorgung in den ländlichen Regionen aussehen, wenn sich nicht auch die Politik für eine qualitativ hochwertige, flächendeckende Versorgung stark macht. Die SPD im Main-Kinzig-Kreis hat das längst erkannt. Als Bundestagsabgeordneter der SPD für den Main-Kinzig-Kreis diskutierte Dr. Sascha Raabe in den vergangenen Wochen mit den im Gesundheitssystem tätigen Leistungserbringern mögliche Lösungsansätze. Hier will die SPD Main-Kinzig konzentriert mit den einzelnen betroffenen Kommunen, den Ärzten und Verbänden zusammenarbeiten. Über den dringenden Handlungsbedarf ist man sich indes auch einig mit den Vertretern der Hausärzte, ihrem Bezirksvorsitzenden Dr. Hansjoachim Stürmer und Dr. Willi Heinrich, Lehrbeauftragter an der Universität Frankfurt.

Sie warnten vor einem bevorstehenden Hausärztemangel im ländlichen Raum. Viele der heute praktizierenden Hausärzte werden in den nächsten Jahren Nachfolger suchen und sich zur Ruhe setzen. Es fehle jedoch an Nachwuchs, denn die Arbeit als Hausarzt sei für junge Mediziner eher unattraktiv. Auch motivierte junge Ärztinnen und Ärzte werden so in andere Fachgebiete getrieben. Sie werden abgeschreckt von zu viel Bürokratie, häufigen nächtlichen Notdiensten, Ungleichheiten bei der Honorarverteilung. Dabei machte Dr. Stürmer deutlich: „Es geht nicht zuerst um mehr Geld, stattdessen krankt das Gesundheitssystem aber an vielen Fehlanreizen.“ So werde eben nicht der bestmöglich und effizient behandelte Mensch in den Mittelpunkt gestellt, sondern vielmehr seine Diagnose und Therapie, die dann auch letztlich Grundlage zur Abrechnung der Leistungen mit den Krankenkassen werde. Das kritisiert auch Dr. Sascha Raabe, der die Hausärzte in einer Schlüsselfunktion sieht: „Hausärzte sind die ersten Ansprechpartner vor Ort, ihr Vertrauensverhältnis zu den Patienten setzt aber Zeit voraus. Wir müssen die Rahmenbedingungen so gestalten, dass sie sich auch diese Zeit nehmen können - zum Beispiel mit Fallpauschalen anstatt einer allein diagnosezentrierten Vergütung.“

Ein wichtiger Ansatz um dem Hausärztemangel entgegenzuwirken sei zudem Werbung an den Universitäten. Dazu Dr. Willi Heinrich: „Schon dort versuchen wir junge Medizinstudenten für den Beruf als Hausarzt zu begeistern - mit gutem Erfolg.“ An der Universität Frankfurt müssen alle angehenden Mediziner verpflichtend Veranstaltungen im Bereich Allgemeinmedizin besuchen. Aber auch bei der Bedarfsplanung und Erteilung der Zulassungen für junge Ärzte sieht Dr. Sascha Raabe Möglichkeiten zur Steuerung. Voraussetzung für den sinnvollen Einsatz dieses Instrumentes sei allerdings ein Neuzuschnitt der Bezirke. „Im Main-Kinzig-Kreis dürften dann neue Ärzte keine Erlaubnis mehr für die Niederlassung in bereits überdurchschnittlich gut versorgten Kommunen erhalten, sondern nur für den unterversorgten ländlichen Raum“, so Dr. Sascha Raabe.

Entschieden lehnt er hingegen Ideen aus der FDP ab, wo jüngst angedacht wurde, dass Patienten auf dem Land ihre Behandlung per Vorkasse zunächst selbst zahlen sollten, damit Hausärzte schneller an ihr Geld kämen, und ihr Beruf dadurch attraktiver werde. Dazu Dr. Sascha Raabe: „Das bedeutet eine Drei-Klassen-Gesundheitsversorgung. Wer keine besseren Ideen hat, um dem Ärztemangel auf dem Land zu begegnen, der sollte seine weltfremden Vorschläge besser für sich behalten.“ Stattdessen sei das Ziel der SPD, dass die Versicherten überall eine gute Hausarztversorgung in Anspruch nehmen können – unabhängig davon, ob sie in der Stadt oder auf dem Land leben.

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