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19. September 2013

Steinmeier möchte nur einen Ra(a)be in Berlin

Zuversicht, Humor und Angriffslust: SPD-Fraktionschef in Hanau

Hanau. Volksnah, freundlich, geduldig beim Zuhören und beim Autogrammeschreiben, und auch das Lob für den hausgemachten Kuchen der SPD-Frauen schien aus tiefstem Herzen, genauer direkt aus dem Magen zu kommen: Als Volksvertreter im besten Sinne des Wortes präsentierte sich Frank-Walter Steinmeier auf dem Marktplatz Hanau. Als Höhepunkt der Wahlkampftour des Bundestagsabgeordneten Dr. Sascha Raabe (Rodenbach) und der Landtagskandidaten Christoph Degen (Neuberg) und Sebastian Maier (Maintal) unterstützte der SPD-Fraktionschef im Bundestag, Ex-Vizekanzler und ehemalige Bundesminister die Lokalmatadoren.
Begrüßt vom Unterbezirksvorsitzenden Dr. André Kavai und Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky, benötigte der 57-Jährige nur wenige Sätze, um die Gemüter der trotz strömenden Regens erschienenen zahlreichen 250 Zuhörer zu bewegen. „Mit Humor und Angriffslust gewürzte Zuversicht“ habe Steinmeier verbreitet, urteilte der Hanauer Anzeiger. Er warb für den Mindestlohn, stellte die Abschaffung des Betreuungsgeldes in Aussicht und zeihte Kanzlerin Angela Merkel des „Herumlavierens“ und der „Tatenlosigkeit“. Auch die „mittlerweile völlig überflüssige FDP“ erhielt von Steinmeier verbale Ohrfeigen, ebenso wie Verkehrsminister Peter Ramsauer: Der CSU-Politiker wisse noch nicht einmal, dass Deutschland nicht nur aus Bayern bestehe.
Am SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück lobte er die Fähigkeit, einstecken zu können. Am Hanauer Bundestagsabgeordneten Raabe gefällt ihm, dass dieser ein „Überzeugungstäter im besten Sinne“ sei: „Er tritt den Leuten in Berlin auf die Füße, um eure Interessen zu vertreten“, rief er den Bürgern unter großem Applaus zu. In Anlehnung an das Märchen von den sieben Raben erklärte Steinmeier zu Füßen des Brüder-Grimm-Denkmals mit Blick auf Sascha Raabe, ihm reiche ein einziger Rabe in Berlin. Steinmeier und Raabe arbeiten seit elf Jahren zusammen. Humorige Seitenhiebe dokumentieren die Verbundenheit: „Sascha, du hast beim Wetter versagt“, unkte Steinmeier.
Zuvor hatte Raabe seinen engen Parteifreund Steinmeier als tadellosen, aufrichtigen Politiker beschrieben, für den Anstand und Menschlichkeit immer an erster Stelle stehe. Mit Vehemenz geißelte der 45-Jährige anschließend die Missstände in der Bundesrepublik: Löhne, die nicht zum Leben ausreichen; eine Zwei-Klassen-Medizin, die sich nicht an der Schwere der Krankheit, sondern dem Portemonnaie des Patienten orientiere; der Stau in der Infrastrukturpolitik mit dem scheinbar unendlichen Warten auf die Nordmainische S-Bahn-Linie. Auch die Untätigkeit des Verkehrsministeriums bei der Reduzierung des Fliglärms prangerte Raabe an.
Raabe, Experte für Entwicklungshilfe, knöpfte sich zudem erneut Dirk Niebel vor. Der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung im Kabinett Merkel II verteile die Posten in seinem Ressort nicht nach Leistung und Können. Einziges Kriterium sei die Mitgliedschaft in der FDP.

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