Pressemitteilung:

07. März 2014

Raabe: „Honorarsystem muss gerechter gestaltet werden"

Bundestagsabgeordneter informiert sich über Nöte Hanauer Hausärzte
+Das Gesundheitssystem hat große Ungerechtigkeiten. Darin sind sich Bundestagsabgeordneter Dr. Sascha Raabe, Hans-Peter Galonska und Dr. Birgitta Koch (von links) einig.

Die Hanauer Hausärzte Dr. Birgitta Koch und Hans-Peter Galonska und der Bundestagsabgeordnete Dr. Sascha Raabe sind sich einig: Das Honorarsystem der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) setzt zu oft falsche Anreize und benachteiligt die, die quasi an der Basis ihre Arbeit verrichten. „Wir haben ein Problem des Austarierens zwischen den wichtigen vorbeugenden Maßnahmen, Beratungsgesprächen und der betreuenden Medizin auf der einen, sowie der teuren Apparate- und Interventionsmedizin auf der anderen Seite“, sagt der SPD-Politiker als Fazit der Schilderungen der Ärzte.
Das Honorarsystem der Kassenärztlichen Vereinigung führt seit Jahren zu Ungerechtigkeiten und Klagen von Ärzten und Patienten. Auch Dr. Birgitta Koch und Hans-Peter Galonska schilderten viele Mängel und Ungereimtheiten im System. Raabe: „Seit über einem Jahrzehnt höre ich als Abgeordneter immer wieder Klagen von Ärzten und Patienten über eine ungerechte Honorarverteilung und lange Wartezeiten für Arzttermine. Die Verantwortung hierfür tragen die kassenärztlichen Vereinigungen und die Krankenkassen, die in gemeinsamer Selbstverwaltung die Sicherstellung der flächendeckenden ambulanten ärztlichen Versorgung garantieren müssen und für die Höhe und die Verteilung der Honorare zuständig sind. Leider werden aus dem großen Honorartopf, den die Beitragszahler füllen, viele Ärzte nicht entsprechend ihrer Leistung gerecht entlohnt, während andere Arztgruppen überproportional viel verdienen."
Hans-Peter Galonska, der mittlerweile zu der immer kleiner werdenden Gruppe von Hausärzten gehört, die Kranke noch zu Hause besuchen, plädiert für eine größere Transparenz der Arzthonorare: "Der Hausarzt in Hessen erhält eine Grundpauschale von um die 40 € (RLV Gruppenfallwert Quartal 3/13 Hausärzte 40,55 ) pro Patient pro Quartal. Mit weiteren Leistungen, wie Imp-fungen, Vorsorgeuntersuchungen und abhängig von der eigenen Qualifikation, zum Beispiel Bauchultraschall (15,80 € pro Untersuchung) lässt sich in etwa ein durchschnittlicher Scheinschnitt von 54 € erreichen. Gegen Ende des Quartals, wenn sämtliche Budgets ausgeschöpft sind, kommt es zu keiner weiteren Steigerung des Honorars – egal wie oft der Patient dann noch kommt. Befragt man Patienten zur Höhe der Honorierung der einzelnen
Leistungen von Ärzten, so verschätzen sich diese fast regelmäßig um den Faktor 10 nach oben."
Beratungsgespräche und Hausbesuche kommen bei den beiden Ärzten aus Hanau dennoch nicht zu kurz. Und an den Wochenenden fallen durch das überbordende Berichtswesen zusätzlich noch einmal drei bis vier Stunden, so Galonska, für „bürokratischen Mist“ an.
Einig waren sich die beiden Ärzte und der Bundestagsabgeordnete, dass das Honorarsystem der Kassenärztlichen Vereinigungen grundlegend reformiert werden müsste. Dies sei aber wenig wahrscheinlich, weil insbesondere die Funktionäre der Kassenärztlichen Bundesvereinigung gewisse Arztgruppen auch in Zukunft bevorzugen wollen und werden. Deshalb plädierte Raabe dafür, die Kassenärztlichen Vereinigungen und insbesondere die KBV, sollten sie sich als reformunfähig zeigen, in ihrer jetzigen Form abzuschaffen und durch ein anderes Gremium zu ersetzen, in dem Ärzte, Patienten, unabhängige Wissenschaftler, sowie Gesundheitspolitiker gemeinsam ein leistungsgerechtes Honorarsystem im Interesse der Ärzte und Patienten entwickeln. Dr. Koch und Herr Galonska sicherten ihre Unterstützung für eine Überwindung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zu . Raabe will diesen Vorschlag seinen Kollegen aus dem Gesundheitsausschuss ans Herz legen: "Das wird aber kein leichter Weg. Denn der Widerstand derjenigen Ärzte und Funktionäre, die vom momentanen System überproportional profitieren, wird gewaltig sein. Deshalb bin ich froh, dass mit Dr. Koch und Hans-Peter Galonska zwei Ärzte aus Hanau sich hier entsprechend einsetzen wollen."




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