Statement:

10. Juli 2015
Bericht aus Berlin

Keine Seehofer-Trasse!

Bayern und Baden-Württemberg brauchen Strom. Der wird in den Windparks im Norden produziert, muss also einmal quer durch die Republik. Nun würde jeder vernünftig denkende Mensch sagen, wenn der Strom von A nach B muss, dann baut man eben eine Leitung auf dem möglichst kürzesten Weg. So weit, so gut. Aber hier kommt nun der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer ins Spiel – und schon ist das mit dem vernünftig denkenden Menschen hinfällig. Horst Seehofer will zwar den Strom, er will aber keine Leitungen. Die sollen doch bitte schön woanders um Bayern herum laufen.
So nicht, Herr Seehofer! Die Energiewende mit dem Aus für die Atomkraft in Deutschland ist richtig. Damit sie gelingt, muss jeder von der Nordsee bis zu den Alpen seinen Teil beitragen. Wir Hessen brauchen den Strom aus dem Norden nicht, aber tragen als Transitland der sogenannten Südlink-Stromtrasse gerne solidarisch unseren Teil der Verantwortung. Dazu sind wir aber nur bereit, wenn die Lasten gerecht verteilt werden. Das bedeutet für uns ganz klar nur eine Trasse durch Hessen! Die Bündelung der Leitungen vom Norden nach Großgartach (Baden-Württemberg) und Grafenrheinfeld (Bayern) muss deshalb auf einer Trasse durch Hessen direkt Richtung Grafenrheinfeld geführt werden. Erst in Nordbayern, nicht vorher in Hessen, darf die Abzweigung nach Westen Richtung Großgartach erfolgen. Wesentlich länger und teurer wäre eine West-Abzweigung bereits auf hessischem Gebiet, wie Seehofer sie fordert. Das ist inakzeptabel, denn dadurch würde in Hessen eine zweite Trasse entstehen, die unnötig viele Kilometer durch Hessen läuft, nur um wenige Kilometer Trasse auf bayerischem Boden zu verhindern. Eine solche zweite Seehofer-Trasse, die dann womöglich durch den Main-Kinzig-Kreis führen könnte, müssen wir mit allen Mitteln verhindern. Denn der im jüngsten Energiegipfel grundsätzlich begrüßenswerte vereinbarte Vorrang der Erdverkabelung ist nicht überall möglich und die Nutzung von bestehenden Trassen würde häufig den Austausch bestehender Masten durch wesentlich höhere Masten erfordern. Diese Lasten dürfen nicht auf den Main-Kinzig-Kreis abgeschoben werden, nur weil Herr Seehofer das gerne so hätte.


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