Meldung:

01. Juli 2016

Gemeinsam gegen die „Horst-Seehofer-Stromtrasse“

Susanne Simmler und Sascha Raabe treffen Präsidenten der Bundesnetzagentur
+Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler und der SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Sascha Raabe überreichen das Gutachten aus dem Main-Kinzig-Kreis an Jochen Homann (rechts), Präsident der Bundesnetzagentur

Die Planungen für den Ausbau einer von Horst Seehofer gewünschten Stromtrasse quer durch den Main-Kinzig-Kreis sollten im Zuge der Arbeiten am neuen Netzentwicklungsplan 2030 „so schnell wie möglich zu den Akten gelegt und nicht weiter verfolgt werden“. Diesen Appell richteten die Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler und der SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Sascha Raabe bei einem Treffen in Berlin an den Präsidenten der Bundesnetzagentur Jochen Homann.

Gemeinsam überreichten sie eine Sachverständigenstellungnahme, die der Kreis in Auftrag gegeben hatte, um die des Vorhabens noch einmal eindrücklich aufzuzeigen: Mangelnde Effizienz gegenüber der Alternativroute bei ungleich höherer Belastung der Bürger. Konkret geht es um die Ausbaupläne der 380 KV-Drehstromleitung von Mecklar nach Urberach, von denen im Main-Kinzig-Kreis zwölf Kommunen von Schlüchtern bis Hanau unmittelbar betroffen wären.

Diese Leitung soll neben der bereits bestehenden Stromtrasse mit einer zweiten Mastreihe verstärkt werden. Es geht hierbei wohlgemerkt nicht um die Gleichstromtrasse Suedlink, von der der Main-Kinzig-Kreis ebenfalls noch betroffen werden kann. Die Überlegungen zum Ausbau der Drehstrom-Leitung durch den Main-Kinzig-Kreis waren – auch zum Leidwesen der Planer und Netzbetreiber – erst auf Druck des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer notwendig geworden, der die ursprüngliche Planung der Trasse über bayerisches Gebiet verhindern will.

„So geht es nicht“, stellte Simmler klar, „wir werden eine solche Seehofer-Trasse nicht akzeptieren. Wir unterstützen die Energiewende, die es nun einmal mit sich bringt, dass der Strom aus den Windparks im Norden nach Süden transportiert werden muss. Aber es muss gerecht zugehen.“ Deshalb ließen der Main-Kinzig-Kreis und die betroffenen Kommunen ein Gutachten von Prof. Runge von der OECOS GmbH erstellen, das die Bedenken klar bestätigt. Es belegt, dass die Siedlungsannäherungen und die unmittelbare Betroffenheit der Bürger bei der Main-Kinzig-Variante sehr viel ausgeprägter sind als auf der Alternativstrecke.

Während auf der ursprünglich geplanten Trasse nach Bayern Siedlungsannäherungen im Bereich bis 200 Meter zu 1,8 Prozent der Gesamtlänge sowie im 400 Meter-Bereich zu 4 Prozent zu verzeichnen sind, nehmen laut Gutachten die Siedlungsannäherungen an der Variante durch den Main-Kinzig-Kreis deutlich kritischere Ausmaße an. Hier ist bei 10,5 Prozent der Gesamtlänge eine Annäherung im 200 Meter-Bereich und bei 12,8 Prozent im 400 Meter-Bereich zu erwarten. Zudem sei davon auszugehen, dass die Betroffenheit in Zukunft noch zunehmen würde.

Simmler wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es derzeit im Kreis viele Investitionen in den Siedlungsbau gebe. Raabe dazu: „Der Main-Kinzig-Kreis ist die Boom-Region im Rhein-Main-Gebiet, weil es sich hier gut und im Vergleich zum Taunus noch relativ günstig leben lässt. Wenn aber der Kreis nochmals neben den bereits bestehenden Stromtrassen mit einer weiteren Stromtrasse  durchschnitten wird, könnte es damit vorbei sein. Weitere Baugebiete und die Schaffung günstigen Wohnraums werden dann verhindert.“

In der Stellungnahme von Prof. Runge wird ebenfalls nochmals betont, dass auch aus Gründen der netztechnischen Effizienz die ursprüngliche Variante durch Bayern klar zu bevorzugen sei, so wie dies auch bereits im Fazit des Netzentwicklungsplans 2025 dargestellt wurde. Argumente, die man bei der Bundesnetzagentur sehr wohl zur Kenntnis nimmt: „Es ist hilfreich, dass der Main-Kinzig-Kreis seine Position fundiert untermauert“, sagte Bundesnetzagentur-Chef Homann mit Blick auf das Sachverständigengutachten. Für die Sorgen der betroffenen Bürger habe er großes Verständnis. Zum weiteren Verfahren erklärte er, dass nach dem Stopp des Netzentwicklungsplans 2025 nun unmittelbar die Arbeiten am neuen Plan 2030 fortgeführt würden. Die Vorschläge der Netzbetreiber hierzu würden Mitte Dezember auf dem Tisch liegen.

Die Entscheidung der Bundesnetzagentur ob die Stromtrasse in Grafenrheinfeld oder in Urberach endet, wird voraussichtlich im Frühjahr/Sommer 2017 zur Konsultation gestellt und zum Ende des Jahres bestätigt. Die konkrete Trassenfindung und die damit verbundene Frage, ob die Stromtrasse durch den Main-Kinzig-Kreis oder durch Bayern führt, wird in den daran anschließenden Prozessen der Bundesfachplanung und Planfeststellung behandelt. Simmler und Raabe, soviel ist klar, werden solange keine Ruhe geben. 


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