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29. Juni 2020
Gastkommentar im Hanauer Antzeiger

Schweinerei

Die jüngsten Vorfälle in Betrieben der Fleischindustrie sind im wahrsten Sinne des Wortes eine echte Schweinerei. Und damit meine ich nicht nur die Missachtung der Abstands- und sonstigen Hygieneregeln, die zur massenhaften Verbreitung des Corona-Virus bei Beschäftigten und deren Angehörigen geführt haben. Der eigentliche Skandal liegt darin, dass die Arbeitsbedingungen, Wohnverhältnisse und Entlohnung der Beschäftigen „unter aller Sau“ sind, um im Bild zu bleiben. Statt eigenen Beschäftigten faire Löhne zu zahlen, lassen viele Großbetriebe die Arbeit von unterbezahlten ausländischen Arbeitern erledigen. Für den Deutschen Gewerkschaftsbund sind „die Werkverträge die Wurzel dieses Übels und gehören abgeschafft“. Es ist gut, dass Arbeitsminister Hubertus Heil bereits vor Bekanntwerden des jüngsten Falles Tönnies am 20. Mai Eckpunkte für ein Gesetz vorlegte, wonach spätestens ab 1. Januar 2021 das Schlachten und die Verarbeitung von Fleisch nur noch von Arbeitnehmern des eigenen Betriebes zulässig und Werkvertragsgestaltungen und Arbeitnehmerüberlassungen somit nicht mehr möglich sind. Natürlich gibt es auch verantwortungsvolle Betriebe, bei denen ich bereits hier in der Region zu Besuch war. Aber bei den jüngsten Skandalen in der Fleischwirtschaft handelt es sich nicht nur um Einzelfälle, sondern um ein regelrechtes System der Ausbeutung. Wer den ehrbaren Unternehmern helfen und den Ausbeutern das Handwerk legen will, muss durch klare gesetzliche Regeln gleiche Wettbewerbsbedingungen schaffen - in Deutschland und weltweit. Das gilt für alle Branchen. Deshalb brauchen wir auch ein umfassendes Lieferkettengesetz und faire Handelsabkommen, in denen Menschen- und Arbeitnehmerrechte weltweit verbindlich und bei Verstößen sanktionierbar abgesichert sind.

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