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14. September 2020
Gastkommentar Gelnhäuser Nachrichten

Möge der Bessere gewinnen

In einer Woche startet die neue Saison der Fußball-Bundesliga. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird der neue Deutsche Meister wieder Bayern München heißen - so wie in den vergangenen acht Jahren.
Die finanziellen Unterschiede zwischen den Vereinen sind in den letzten zwanzig Jahren immer größer geworden. Heute ist es undenkbar, dass ein Verein, der aus der 2. Liga aufsteigt, direkt deutscher Meister werden kann, so wie dies dem 1. FC Kaiserslautern 1998 gelang. Wenn alles so weitergeht, werden in den nächsten zwanzig Jahren die Bayern etwa 18 Mal Deutscher Meister und einmal je vielleicht Dortmund und Leipzig. Es gibt keinen fairen und spannenden Wettbewerb um die Meisterschaft mehr. Auf die Dauer kann das zu einem erheblichen Attraktivitätsverlust der Bundesliga führen, der dem Fußball insgesamt wesentlich mehr Schaden zufügen kann als die momentanen Verluste der Vereine durch die Corona-Krise.
Deshalb hatte ich mich neulich mit dem Vorsitzenden der DFB-Ethik-Kommission, Thomas Oppermann, und dem Vorstandsmitglied Axel Hellmann vom nicht reichsten, aber wahrhaft besten Verein der Welt, Eintracht Frankfurt, getroffen. Wir waren uns einig, dass es Veränderungen geben muss, damit eine größere Chancengleichheit entsteht und ein nachhaltig attraktiver Wettbewerb gesichert werden kann.
Dazu können eine Ausweitung der Financial Fair Play-Regelungen und eine von der UEFA europaweite Einführung teambezogener Gehaltsobergrenzen beitragen. Damit reiche Vereine solche Gehaltsobergrenzen nicht durch andere Anreize umgehen können, sollten meiner Meinung nach auch sogenannte Handgelder bei einem Vereinswechsel komplett verboten werden. Ebenfalls sollte jeder Werbevertrag eines Spielers durch eine Ethik-Kommission vorher darauf geprüft werden, ob er im Zusammenhang mit einer Zugehörigkeit zu einem bestimmten Verein abgeschlossen wird. Wenn ein Spieler seine Bekanntheit beispielsweise dazu nutzen würde, um mit Haribo einen lukrativen Werbevertrag abzuschließen, wäre das ok. Wenn Haribo aber Besitzer oder Haupt-Vereinssponsor vom „FC Gummibärchen“ wäre und der Spieler dort einen Vertrag unterschrieben hat, sollte der Werbevertrag untersagt werden.
Ein Fußballspieler sollte natürlich auch in Zukunft genug verdienen können, um als Vollprofi arbeiten und ausreichend Geld ansparen zu können, damit er nach seiner Karriere beruflich auf eigenen Füßen stehen kann. Viele Millionen Euro pro Jahr, so wie dies jetzt oft der Fall ist, sind aber nicht nötig.
Letztlich zahlen wir Fußballfans diese horrenden Gehälter mit unseren Eintrittspreisen, Fernsehgebühren und als Konsumenten der beworbenen Produkte. Eine Begrenzung der Gehälter könnte den Stadionsbesuch billiger machen und die Übertragung von mehr Spielen im freien Fernsehen ermöglichen.
Vor allem aber würde der Wettbewerb fairer und spannender werden. Deshalb sollten sich alle Fußballfans vehement für diese Änderungen einsetzen, damit in Zukunft der wirklich Bessere und nicht immer nur der Reichere gewinnt.

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